Glaubenssätze und Persönlichkeitsanteile

Glaubenssätze sind tief verankerte Überzeugungen. Dabei geht es beispielsweise um uns selbst, um andere Menschen, um Gesellschaften, Beziehungen und um die Welt im allgemeinen. Sie entstehen in der Kindheit und Jugend aber auch im Erwachsenenleben. Durch das, was uns Bezugspersonen vorleben, durch unsere eigenen Erfahrungen, durch die Gesellschaft in der wir leben erfahren wir Prägung. Hier einige Beispiele:

  • „Nur wer hart arbeitet hat Erfolg.“
  • „Männer sind unzuverlässig.“
  • „Indianer kennen keinen Schmerz.“
  • „Schaffa, schaffa, Häusle bauen.“
  • „Erst die Arbeit, dann das Vergnügen.“
  • „Eigenlob stinkt“
  • „Sicher ist sicher“
  • „Das Leben ist kein Wunschkonzert.“
  • „Du kannst nicht alles haben“ – mein persönlich schlimmster Glaubenssatz.

Es gibt aber auch Glaubenssätze die nicht auf ausgesprochene Sätze im tatsächlichen Sinn basieren. Nicht alle Glaubenssätze werden ausgesprochen oder in Worte gefasst. Viele werden einfach gelebt – durch Verhalten, durch das, was vorgelebt wird, durch das, was selbstverständlich ist oder tabu. Diese gelebten Überzeugungen wirken oft noch stärker. Wir nehmen sie oft gar nicht erst als Überzeugungen wahr. Wir haben noch nicht einmal Worte dafür. Manche davon werden über Generationen hinweg weitergegeben. Innerhalb einer Familie aber auch innerhalb einer Gesellschaft oder eines ganzen Volkes. Hier einige Beispiele:

  • Geschlechterrollen – Männer zeigen keine Gefühle und Frauen sind für den Haushalt zuständig
  • Bloß nicht auffallen (Kriegs- und Nachkriegserfahrungen)
  • Über Schuld und Scham spricht man nicht
  • Freude ist gefährlich, Freu Dich nicht zu früh
  • Reichtum ist peinlich und Geld schmutzig
  • Trauer muss schnell vorbei sein

Es gibt aber auch positive Glaubenssätze – gelebte und gesagte:

  • „Das Leben darf leicht sein.“
  • „Das Leben ist schön!“
  • „Du bist ein Geschenk.“
  • „Ich bin stolz auf Dich.“
  • „Du schaffst das.“
  • Wo ein Wille, ist auch ein Weg.“
  • „Du entscheidest.“
  • „Geteiltes Leid, ist halbes Leid.“
  • „Lebe Dein Leben, nicht das der anderen.“
  • Körperliche Nähe, Umarmungen
  • Sich Zeit füreinander nehmen
  • Miteinander lachen
  • Sich beieinander entschuldigen

Negative Glaubenssätze können uns unser gesamtes Leben lang einschränken, klein halten, blockieren, dafür sorgen, dass wir uns selbst sabotieren und letztlich dazu führen, dass wir nicht das Leben leben, dass für uns vorgesehen war.

Positive Glaubenssätze schaffen innere Sicherheit, Selbstvertrauen und Lebensfreude. Kinder die so aufwachsen, haben oft einen stabileren inneren Kompass und mehr Resilienz gegen die Unbill des Lebens. Letztlich haben sie weitaus größere Chancen ein wirklich authentisches Leben zu führen.

Das Konzept der Persönlichkeitsanteile geht davon aus, dass in uns verschiedene Anteile leben – wie Teammitglieder – die alle, mal mehr oder weniger mitreden wollen. Es gibt den Perfektionisten, den Fürsorglichen, den Ängstlichen, den Mutigen, den Lustigen und so weiter. Arbeiten diese Anteile gut miteinander sorgen sie für Ausgewogenheit, Bereicherung, einem gesunden Selbstbewusstsein und einem guten inneren Kompass. Wir können klarer handeln und im Frieden mit uns selbst sein. Doch manchmal blockieren sich diese inneren Anteile, streiten miteinander, dominieren sich oder lassen bestimmte Anteile nicht zu Wort kommen. Wir fühlen uns dann unsicher, zerrissen, unerfüllt, blockiert oder erschöpft.

Glaubenssätze und Persönlichkeitsanteile hängen eng zusammen. Sie erschaffen sich gegenseitig, stärken sich oder halten sich klein. Oft sprechen unsere Persönlichkeitsanteile – die inneren Teammitglieder – in der Sprache alter Glaubenssätze. Sowohl positive oder negative Glaubenssätze, als auch ausgesprochene und gelebte.

Wenn wir beide Ebenen erkennen, annehmen, einordnen, dafür dankbar sein können oder lernen unseren Frieden damit zu machen, können wir uns von alten destruktiven Mustern lösen und positive Muster stärken. Auch von denen, die nie Worte hatten. Damit gewinnen wir mehr Freiheit in unserem leben und dürfen lernen wir selbst zu sein.

Für mich war das Auflösen alter Glaubenssätze mit der schmerzhafteste und gleichzeitig heilsamster Prozess in meinem Leben. Denn ich kann Ihnen eins sagen – Wir können alles haben! Glück, Liebe, Erfolg, Bindung und Freiheit.