Natur als Spiegel der Seele
Ich höre immer wieder wie Menschen davon reden, wie wichtig es ist sich mit der Natur zu verbinden. Ich weiß was damit gemeint ist, dennoch ist dieser Satz für mich ein Zeichen der Entfremdung. Wir sind Teil der Natur. Es sollte unnötig sein, sich extra verbinden zu müssen.
Die Entfremdung von der Natur könnte man ein kollektives Entwicklungstrauma nennen. Der Verlust dieser ursprünglich tiefen Verbindung ist vergleichbar mit einem Bindungstrauma. Wir bleiben wurzellos zurück, ohne Anbindung an unseren eigentlich wahren Lebensraum, unserer Seelenheimat. Diese Trennung ist eine künstliche Spaltung die wir transgenerational weitergeben.
C.G. Jungs Perspektive auf die Welt war ähnlich geprägt.
„Durch das wissenschaftliche Verständnis ist unsere Welt entmenschlicht worden. Der Mensch steht isoliert im Kosmos da. Er ist nicht mehr in die Natur verwoben und hat seine emotionale Anteilnahme an Naturereignissen eingebüßt, die bis dahin eine wichtige symbolische Bedeutung für ihn hatten.“ C. G. Jung
Unsere Seele hungert nach dieser Verbindung. Dieses Trauma ist heilbar. Wenn Sie sich mit der Natur rückverbinden, verbinden Sie sich mit den tiefsten Schichten ihrer eigenen Psyche. Wir können zurückkehren in diese Heimat die wir uns haben nehmen lassen. Das bedeutet nicht, dass wir alles aufgeben müssen was uns der „Fortschritt“ gebracht hat. Ich bin für viele Errungenschaften dankbar – die Waschmaschine, das Auto, ja auch für das Internet. Es ist wie bei allem, es braucht keine Entscheidung im Sinne von „für oder gegen“, es darf auch ein „beides“ sein!
Jung lehrte, dass das Unbewusste nicht in der Sprache des Verstandes spricht. Es spricht in Metaphern, in Bildern, in Körperempfindungen. In der Welt, in der wir leben sind wir ständiger Reizüberflutung ausgesetzt. Nicht nur durch Bilder, bewegt oder unbewegt, auch durch Musik und Worte. Ich liebe Musik und ich habe Freude an der Sprache, dennoch gab es eine Zeit in der wir Sprache im Sinne des gesprochenen Wortes nicht brauchten. Ich stelle mir vor, dass alle Lebewesen auf einer Seelenebene miteinander kommunizieren konnten. Ich stelle mir weiterhin vor, dass alle Seelen miteinander verbunden sind, wie in einem großen Netz. Das Netz des Lebens eben und dass über dieses Netz Kommunikation ohne Sprache möglich ist.
Mit „die Natur als Spiegel der Seele“ will ich einen Beitrag dazu leisten. Ich möchte Sie auf Ihrem Weg zurück in die Verbindung der Natur begleiten. Ich rede nicht davon die Schönheit der uns umgebenden Natur zu bewundern, Sport zu treiben oder zu Wandern. Es geht schon gar nicht darum eine bestimmte Strecke zurück zu legen, Ziele zu erreichen oder um Leistung im Allgemeinen. Ich spreche davon, wirklich zurück zu kehren zu Mutter Natur.
In Japan gibt es ein ganz ähnliches Konzept – Shinrin Yoku. Bei uns nennt man es „Waldbaden“. Es geht darum, den Wald mit allen Sinnen, bewusst aufzunehmen – Achtsamkeit, langsames Gehen, bewusste Wahrnehmung von Geräuschen, Gerüchen, Gefühlen und Empfindungen. Baden in der Waldluft. Man nimmt sich Zeit für einen absichtslosen Aufenthalt im Wald – bewusst im Hier und Jetzt sein. Seit den 80er Jahren ist diese Praxis in Japan anerkannt und gehört zur Gesundheitsvorsorge. Shinrin yoku hat nachweislich positive Auswirkungen auf unseren Körper und unsere Seele – Stressabbau, Burnoutprävention, Stärkung des Immunsystems, Hilfe bei depressiven Symptomen da stimmungsaufhellend, Hilfe bei Angsterkrankungen da angstreduzierend, und vieles mehr.
Rückverbindung bedeutet also, die Rhythmen der Jahreszeiten am eigenen Körper zu spüren, sich Voll und Ganz im Hier und Jetzt auf den lebenden Wald einzulassen, zu fühlen, dass alles in der Natur lebt – Pflanzen, Bäume, Tiere, Steine, Landschaften. Alles ist beseelt und mit allem können wir in Kontakt treten. Sowohl für und über unseren Körper, unserer Seele und unseren Geist. Wir können uns erholen, aufatmen, Gesunden, Fragen stellen, Antworten erhalten, Trost empfangen, uns verbunden und nicht mehr einsam fühlen. Es ist ein „sich erinnern“ und braucht Zeit.
Was wir tun
- uns bewusst in der Natur bewegen. Fühlen, riechen, schmecken, tasten.
- Rituale in und mit der Natur begehen
- bewusst Kontakt aufnehmen zu den Seelen der Bäume, der Pflanzen, der Tiere, der Mineralien
- mit den Elementen arbeiten
- Fragen stellen, Antworten erhalten
- Atmen, atmen, atmen,…
- und weiteres
Ihr Smartphones ist aus oder im Flugmodus, keine Musik, keine Podcasts, keine Gespräche oder Unterhaltungen. Bevor Sie in die Natur gehen, überschreiten Sie bewusst die Schwelle der alltäglichen Wirklichkeit. Lassen Sie alles alltägliche hinter dieser Schwelle zurück – Pläne, Ziele, Wollen, Ärger, Ungeduld, Erwartungen. Konzentrieren Sie sich ganz auf das Fühlen im Moment und auf die jeweilige Intention, die Sie sich setzen.
Meine Aufgabe ist es, Sie anzuleiten und zu begleiten. Ich dränge nicht. Ich sage Ihnen nicht was Sie fühlen sollen. Ich halte den Raum.
Sie tun dies für sich und gleichzeitig für die Menschheit im Ganzen. Das ist es was „systemisch“ bedeutet – Teil des großen Netzes zu sein. Durch die positive Veränderung in Ihnen, verändert sich auch positiv etwas für alle anderen Seelen.


